Archiv für Juni 2008

Die (Un-)Möglichkeit der Revolution

Die (Un-)Moeglichkeit der Revolution. Politik, Kunst und Utopie in Zeiten des Kapitalismus

In der Veranstaltungsreihe möchten wir der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten für Utopie und gesellschaftsverändernde Praxis in einer Zeit bestehen, in der der Kapitalismus (fast?) alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringt. Die Vorträge widmen sich dazu einigen – heute mehr oder weniger aus dem Blickfeld geratenen – Ansätzen, die versuchen, die Möglichkeit gesellschaftsverändernder Praxis im Kapitalismus zu bestimmen. Gleichzeitig ist das Ziel, nicht bei einer Rekonstruktion der und Einführung in die Ansätze stehen zu bleiben, sondern auch Probleme und Schwächen aufzuzeigen und über ihre heutige Aktualität zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe knüpft dabei an die vorhergehende an, die sich unter dem Titel „Im Rahmen des Möglichen“ den Möglichkeiten von Arbeitskämpfen innerhalb der aktuellen Gesellschaftsformation widmete.

Der Operaismus (19.06., 18 Uhr, Hörsaal 6, HSG) begreift den Kampf der Arbeiter_innen gegen die Lohnarbeit als grundlegend für die Entwicklungsdynamik der Gesellschaft und die Arbeiter_innenklasse als zentralen Akteur gesellschaftlicher Veränderung. Die Untersuchung der periodischen Neuzusammensetzung der Arbeiter_innenklasse ist für die Operaist_innen die notwendige Voraussetzung, um eine adäquate politische Strategie zu entwickeln und die Verkrustung der traditionellen Organisationen der Arbeiter_innenbewegung zu überwinden. Es referiert Thomas Sablowski.

Die Situationist_innen (26.06., 20 Uhr, Hörsaal 6, HSG) begründen als internationale Theoretiker_innen- und Experimentator_innengruppe in den 1950er und 60er-Jahren die Kritik der kapitalistischen „Gesellschaft des Spektakels“. Unter Bezug auf Dadaismus und Surrealismus entwickeln sie u.a. mit dem Umherschweifen und der Zweckentfremdung relativ konkrete Techniken, um Kunst und Politik aufzuheben und das revolutionäre Begehren freizusetzen. Der „konterrevolutionären Langeweile“ des Alltagslebens aufgrund der vollendeten „Proletarisierung der Welt“ setzen sie eine strategische „Psychogeographie“ in Verbindung mit einer theoretischen Praxis entgegen, die Impulsgeberin für die Fabrikbesetzungsbewegung in Frankreich im Mai 68 geworden ist. Es referiert das Autorenkollektiv des Buches „Situationistische Revolutionstheorie“.

In ihrem Vortrag zu Marcuse (1. Semesterwoche WiSe 08/09) geht Ingrid Kurz-Scherf (angefragt) der Frage nach, wie dieser trotz seiner Analyse einer „eindimensionalen Gesellschaft“ zu einer positiven Einschätzung des revolutionären Potentials von Intellektuellen und gesellschaftlichen Randgruppen gelangt. Eine besondere Rolle kommt dabei – psychoanalytisch hergeleiteten – „tabuierten Urbildern der Freiheit“ zu, die sich der „Herrschaft des Realitätsprinzips“ tendenziell zu entziehen vermögen.

Gramsci (2. Semesterwoche WiSe 08/09) setzt sich damit auseinander, warum es in Italien nicht zu einer bolschewistischen Revolution kam. Mit den Konzepten der Hegemonie, der Theorie des organischen Intellektuellen und der Verknüpfung von Staat und Zivilgesellschaft entwickelt er ein Analysekonzept, mit dem er die Widerstände gegen ein revolutionäres Potential zu erfassen versucht. Referentin ist Sonja Buckel (angefragt).

Adorno (3. Semesterwoche WiSe 08/09) beurteilt die Möglichkeit einer gesellschaftsverändernden Praxis weitaus skeptischer. In seinem Vortrag zeigt Roger Behrens (angefragt) auf, wo dieser, obwohl er „verdinglichte Begrifflichkeiten“ und eine „verwaltete Welt“ konstatiert, Möglichkeiten der Utopie verortet. Eine zentrale Stellung nehmen hierbei die „bestimmte Negation“ sowie das „Nichtidentische“, welches über das was ist hinausweist, ein.

Falls ihr die Veranstaltungsreihe verlinken möchtet, hier ein Banner:

Die (Un-)Moeglichkeit der Revolution. Politik, Kunst und Utopie in Zeiten des Kapitalismus. Veranstaltungsreihe im SoSe und WiSe 2008 in Marburg/Lahn

Linke Fachschaft wählen

Uni-Wahlen, 17.-19.06.2008, Wählen Sie die Linke Fachschaft 03

Hearings für die Nachfolge Schiller

23.6.
12:00-14:00 Arzheimer, UB Kanada-Raum
14:30-16:30 Geissel, UB Kanada-Raum
17:00-19:00 Arenhövel, UB Kanada-Raum

24.6.
9:00-11:00 Sack, UB Kanada-Raum
11:15-13:15 Birsl, UB Kanada-Raum
13:45-15:45 Marschall, B 510
16:00-18:00 Zimmer, B 510

UB Kanada-Raum: Wilhelm-Röpke-Str. 4, Universitätsbibliothek, 1.Stock Vortragsraum
B 510: Wilhelm-Röpke-Str. 6, B-Turm, Raum 510

Glücklicher und erfolgreicher studieren… mit zwangszugewiesenen Prüfer_innen

Am 30.04. beschloss das Direktorium des Instituts für Politikwissenschaft, dass aufgrund der Prüfungsbelastung der Professor_innen diese in Zukunft erst einmal nur noch je zehn Kandidat_innen für Abschlussprüfungen akzeptieren. Diese sollten sich über Ilias anmelden, die „Restlichen“ werden dann in einer Lotterie am 04.06 unter den Professor_innen aufgeteilt. (mehr…)

Hearings für die Nachfolge Dieter Boris

Berufungsverfahren W2-Professur für Soziologie mit den Schwerpunkten
Gesellschaftliche Entwicklung und Vergleichende Sozialstrukturanalyse

Donnerstag, den 12. Juni 2008

10.00 Uhr PD Dr. Peter Imbusch
Neopopulismus und politische Machtveränderungen in Lateinamerika

11.30 Uhr PD Dr. Thomas Kern
Kulturelle Performanz und Demokratisierung

14.00 Uhr PD Dr. Aram Ziai
Entwicklungsprojekte als Herrschaftstechnik – Vergleich und Analyse

15.30 Uhr PD Dr. Boike Rehbein
Der Aufstieg des Südens und die globale Sozialstruktur

17.00 Uhr Ph. D. Boris Holzer
Eine „globale“ Moderne? Homogenität und Variation in der Weltgesellschaft

Veranstaltungsort: Kanadaraum, Wilhelm-Röpke-Str. 4

Freitag, den 13. Juni 2008

10.00 Uhr Dr. Anika Oettler
Gewalt und soziale Ordnung in Zentralamerika

11.30 Uhr Prof. Dr. Anita Engels
Weltgesellschaftliche Entwicklung unter Bedingungen der ökologischen Selbstgefährdung: Theoretische und empirische Forschungsperspektiven

14.00 Uhr Dr. Dr. habil. Ulrike Schuerkens
Transnationale Migrationen und soziokulturelle Transformationen

Veranstaltungsort: Sitzungsraum 1 (Senatssitzungssaal), Biegenstr. 12

Besichtigung der Marburger Synagoge

Dienstag, 17.06.2008, 16.00 Uhr, Marburger Synagoge (Liebigstraße 21a)

Im November 2005 wurde die Marburger Synagoge in der Liebigstraße eingeweiht. Während der Nacht des 9. November 1939 zerstörte ein faschistischer Mob die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Synagoge in der Universitätsstraße. Erst 1989 wurde in Marburg wieder ein Synagogenraum im Pilgrimstein eingeweiht, der jedoch durch den Zuzug von Migrant_innen u.a. aus der ehemaligen UdSSR schnell zu eng für die wachsende Gemeinde wurde. Mit dem Umzug in die Liebigstrasse steht den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Marburg und allen Interessierten nach Jahrzehnten endlich wieder ein Ort für religiöse und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

Amnon Orbach wird über das neue Haus und Geschichte, Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinde Marburg sprechen.