Archiv für September 2008

Antikorporierter Stadtrundgang: Mittwoch, 15. Oktober 2008, 17.00 Uhr, Alte Uni

Ein kritischer Stadtrundgang zur Vergangenheit und Gegenwart studentischer Verbindungen

In Marburg haben studentische Verbindungen eine lange Tradition: Über dreißig aktive und inaktive Verbindungen soll es in Marburg geben. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl die Burschenschaften, die aber nur einen kleinen Teil der Korporationen ausmachen. Neben ihnen gibt es noch eine große Anzahl weiterer Typen von Verbindungen, Corps, Turnerschaften, Sängerschaften, katholische Verbindungen, den Verein deutscher Studenten und noch einige andere.

Es ist sicherlich falsch, alle Verbindungen in die Ecke des Rechtsextremismus zu stellen, auch wenn einige Burschenschaften, wie die Germania Marburg oder die Rheinfranken sich nicht zieren, zu Vortragsabenden auch schon mal Holocaustleugner, Autoren der NPD-Zeitschrift „Deutsche Stimme“ und andere ausgewiesene Rechtsextreme einzuladen. Gemeinsam ist aber nahezu allen Verbindungen, keine Frauen aufzunehmen, was oft mit den abstrusesten Argumenten begründet wird. Neben diesem tief verankerten Sexismus gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten, die Schlüsse auf ein sehr autoritäres Menschenbild im Verbindungswesen zulassen.

Verbindungen sind meist hierarchisch strukturiert, neue Mitglieder müssen sich erst als Fux erproben, um dann vollwertiges Mitglied in der eingeschworenen Gemeinschaft zu werden. Das Individuum hat sich nahezu vollkommen der Verbindung unterzuordnen. Die Methoden dafür reichen von mehr oder weniger freiwilligen Trinkritualen bis hin zur Pflichtmensur, bei der sich im Ernstfall die Paukanten mit scharfen Waffen tiefe Schnitte im Gesicht („Schmiss“) zufügen müssen.

Dr. Stephan Peters wird bei diesem Stadtrundgang Vorträge zu einzelnen Verbindungen und über das Verbindungswesen im Allgemeinen halten. Dabei sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Typen von Verbindungen dargestellt werden, ebenso soll ausgelotet werden, welche Rolle Korporationen in der Vergangenheit spielten und welche Ziele sie auch heute noch verfolgen.

Eine Broschüre über das Marburger Verbindungswesen gibt es hier zum kostenlosen Download.

Feiger Übergriff rechter Schläger in Giessen

gelesen auf http://www.antifa-r4.de.vu/

Am 17.09.08 wurde eine 18-jährige junge Frau in Giessen Opfer eines rechten Übergriffes. Dies stellt den zweiten brutalen rechten Übergriff in Hessen auf vermeintliche politische Gegner binnen kurzer Zeit dar. Aus diesem Anlass wird am Montagabend um 19Uhr am Uni Hauptgebäude in der Ludwigstraße eine Spontandemonstration stattfinden.

Die junge Frau wurde aufgrund ihres Äußeren zunächst als „Punkerhure“ und „linke Fotze“ beschimpft. Nach einem ersten Faustschlag ins Gesicht wurde sie in einen Hinterhof gezerrt und dort am Boden liegend durch Tritte unter anderem am Kopf schwer verletzt. Die Betroffene berichtet von sechs deutschen Tätern mit kurzgeschorenen Haaren, Bomberjacken, Jeanshosen und Springerstiefeln. Dies bestätigt auch der Polizeibericht, verschweigt aber einen rechten Hintergrund. Nach Einschätzung der Betroffenen und nach Recherchen der AntifaR4 und aufgrund der Art der Beschimpfungen, ist dieser aber eindeutig.

Dieser brutale Übergriff ist der zweite binnen kurzer Zeit in Hessen von Neonazis auf vermeintliche politische Gegner. Aus Solidarität mit der Betroffenen und aus Protest gegen das braune Pack wird am Montagabend um 19Uhr am Uni Hauptgebäude in der Ludwigstraße eine antifaschistische Demonstration stattfinden.