Islam, Islamismus und die Linke

Eine Veranstaltungsreihe der Linken Fachschaft.
Alle Veranstaltungen finden statt im Hörsaalgebäude, Biegenstrasse 14, Raum 113 um 20 Uhr.

20.06.2011
DAS REDEN ÜBER DAS REDEN ÜBER DEN ISLAM
Ein Vortrag von Floris Biskamp

Kaum etwas polarisiert die öffentliche Debatte dieser Tage gründlicher als das Reden über das Reden über den Islam, insbesondere dann, wenn jemand etwas Schlechtes zu sagen hat.
Während die einen in jeder negativen Aussage über eine islamische Gruppe oder Glaubensrichtung ein Symptom von Islamophobie erkennen wollen, kann man für die anderen gar nicht schlecht genug über diese Religion reden. In dieser festgefahrenen Debatte ist es die Aufgabe kritischen Denkens, die falschen Alternativen zu vermeiden und eine Position zu etablieren, von der aus sich die starken reaktionären Strömungen im Islam ebenso kritisieren lassen wie das hierzulande virulente Ressentiment gegen den Islam. Der Ort einer solchen Position wird im Vortrag in Abgrenzung von zentralen Strängen linker Debatten skizziert.

Floris Biskamp studierte Physik und Politikwissenschaften. Aktuell promoviert er an der Universität Gießen. Zuletzt publizierte er zum Thema in Phase 2 und Jungle World.

27.06.2011
SEX UND SCHARIA. ZUM GESCHLECHTERVERHÄLTNIS IM ISLAM
Ein Vortrag von Thomas Maul

ACHTUNG: VERANSTALTUNG WIRD DURCH DIE LIFA03 NICHT MEHR DURCHGEFÜHRT!

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuförderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet.
In der kritischen Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer dem selbstbestimmten Individuum.

Thomas Maul studierte Philosophie und Theaterwissenschaften. Er ist zur Zeit als Dramaturg, Regisseur und freier Publizist in Berlin tätig. Von ihm erschien zuletzt im Ca-Ira-Verlag „Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus“.

04.07.2011
SELBSTBESTIMMUNG UND INDIVIDUALITÄT IN DEN ARABISCHEN
GESELLSCHAFTEN.
ZU DEN AKTUELLEN GESELLSCHAFTLICHEN VERÄNDERUNGEN

Ein Vortrag von Huda Zein

Die Freiheit der Gesellschaft hängt ab von der Freiheit des einzelnen Menschen. Die Entfaltung des Individuums drückt sich in der Entäußerung seiner individuellen Fähigkeiten und Interessen aus: In Intuition, Kreativität und Phantasie. Hat ein Individualisierungsprozess in der arabischen Welt der Gegenwart schon begonnen? Welchen Charakter haben die Kollektivformen in der arabisch-islamischen Welt, die dem Individuum gegenüber stehen und wie stellt sich dieses Verhältnis im realen Leben dar?
Zu diskutieren ist das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft bzw. Gesellschaft, das heißt von Einzelnem und Allgemeinem in der arabisch-islamischen Welt. Dazu sind einige der Kategorien, die als das Allgemeine, Gemeinschaftliche dem Individuum entgegentreten und sich ihm überordnen, zu reflektieren.

Huda Zein studierte Soziologie, Philosophie und Islamwissenschaften. Sie promovierte 2006 an der Universität Freiburg im Fach Soziologie. Zur Zeit ist sie am CNMS der Philipps-Universität Marburg als Lektorin für Arabisch tätig. Zuletzt schrieb sie zu den Vorgängen in Nordafrika in der Jungle World.

11.07.2011
ZUR KRITIK DES ISLAMISCHEN ANTISEMITISMUS
Ein Vortrag von Stephan Grigat

„Es gibt nur eine Lösung für das Nahost-Problem: die Vernichtung und Zerstörung des jüdischen Staates.“ So tönt der oberste geistliche Führer des Iran, Ali Chamenei, dessen Bewunderer auch in Deutschland aktiv sind. Chamenei ist der starke Mann eines Regimes, das fieberhaft daran arbeitet, sich die technologischen Mittel zu beschaffen, um seine Vernichtungsdrohungen und –fantasien auch in die Tat umsetzen zu können.
Doch der islamische Antisemitismus tritt nicht erst mit der Revolution im Iran im Jahre 1979 auf die Weltbühne. Der Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des modernen Islamismus skizzieren und versuchen zu klären, inwiefern der islamische Antisemitismus eine wahnhafte Reaktionsweise auf
die kapitalistische Moderne darstellt.
Der aktuelle Djihad gegen Israel soll ebenso beleuchtet werden wie die verlogenen Reaktionen auf ihn in Deutschland und Europa.

Stephan Grigat studierte Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften. 2006 promovierte er an der FU Berlin. Zur Zeit arbeitet er als Lehrbeauftragter für Politikwissenschaften an der Universität Wien. Zuletzt erschien von ihm der Sammelband „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung.“