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Ein kritischer Stadtrundgang zur Vergangenheit und Gegenwart studentischer Verbindungen
In Marburg haben studentische Verbindungen eine lange Tradition: Über dreißig aktive und inaktive Verbindungen soll es in Marburg geben. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl die Burschenschaften, die aber nur einen kleinen Teil der Korporationen ausmachen. Neben ihnen gibt es noch eine große Anzahl weiterer Typen von Verbindungen, Corps, Turnerschaften, Sängerschaften, katholische Verbindungen, den Verein deutscher Studenten und noch einige andere.
Es ist sicherlich falsch, alle Verbindungen in die Ecke des Rechtsextremismus zu stellen, auch wenn einige Burschenschaften, wie die Germania Marburg oder die Rheinfranken sich nicht zieren, zu Vortragsabenden auch schon mal Holocaustleugner, Autoren der NPD-Zeitschrift „Deutsche Stimme“ und andere ausgewiesene Rechtsextreme einzuladen. Gemeinsam ist aber nahezu allen Verbindungen, keine Frauen aufzunehmen, was oft mit den abstrusesten Argumenten begründet wird. Neben diesem tief verankerten Sexismus gibt es noch weitere Gemeinsamkeiten, die Schlüsse auf ein sehr autoritäres Menschenbild im Verbindungswesen zulassen.
Verbindungen sind meist hierarchisch strukturiert, neue Mitglieder müssen sich erst als Fux erproben, um dann vollwertiges Mitglied in der eingeschworenen Gemeinschaft zu werden. Das Individuum hat sich nahezu vollkommen der Verbindung unterzuordnen. Die Methoden dafür reichen von mehr oder weniger freiwilligen Trinkritualen bis hin zur Pflichtmensur, bei der sich im Ernstfall die Paukanten mit scharfen Waffen tiefe Schnitte im Gesicht („Schmiss“) zufügen müssen.
Dr. Stephan Peters wird bei diesem Stadtrundgang Vorträge zu einzelnen Verbindungen und über das Verbindungswesen im Allgemeinen halten. Dabei sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Typen von Verbindungen dargestellt werden, ebenso soll ausgelotet werden, welche Rolle Korporationen in der Vergangenheit spielten und welche Ziele sie auch heute noch verfolgen.
Eine Broschüre über das Marburger Verbindungswesen gibt es hier zum kostenlosen Download.
17:00 Uhr: Alternativer/ antimilitaristischer Stadtrundgang durch Marburg
18:30 Uhr: Kundgebung auf dem Marktplatz gegen die Militarisierung der deutschen Außenpolitik
19:30 Uhr: Informations- und Diskussionsveranstaltung zu Frauen als Opfer von Krieg
Weitere Infos auf der Homepage des DGB Mittelhessen.

In der Veranstaltungsreihe möchten wir der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten für Utopie und gesellschaftsverändernde Praxis in einer Zeit bestehen, in der der Kapitalismus (fast?) alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringt. Die Vorträge widmen sich dazu einigen – heute mehr oder weniger aus dem Blickfeld geratenen – Ansätzen, die versuchen, die Möglichkeit gesellschaftsverändernder Praxis im Kapitalismus zu bestimmen. Gleichzeitig ist das Ziel, nicht bei einer Rekonstruktion der und Einführung in die Ansätze stehen zu bleiben, sondern auch Probleme und Schwächen aufzuzeigen und über ihre heutige Aktualität zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe knüpft dabei an die vorhergehende an, die sich unter dem Titel „Im Rahmen des Möglichen“ den Möglichkeiten von Arbeitskämpfen innerhalb der aktuellen Gesellschaftsformation widmete.
Der Operaismus (19.06., 18 Uhr, Hörsaal 6, HSG) begreift den Kampf der Arbeiter_innen gegen die Lohnarbeit als grundlegend für die Entwicklungsdynamik der Gesellschaft und die Arbeiter_innenklasse als zentralen Akteur gesellschaftlicher Veränderung. Die Untersuchung der periodischen Neuzusammensetzung der Arbeiter_innenklasse ist für die Operaist_innen die notwendige Voraussetzung, um eine adäquate politische Strategie zu entwickeln und die Verkrustung der traditionellen Organisationen der Arbeiter_innenbewegung zu überwinden. Es referiert Thomas Sablowski.
Die Situationist_innen (26.06., 20 Uhr, Hörsaal 6, HSG) begründen als internationale Theoretiker_innen- und Experimentator_innengruppe in den 1950er und 60er-Jahren die Kritik der kapitalistischen „Gesellschaft des Spektakels“. Unter Bezug auf Dadaismus und Surrealismus entwickeln sie u.a. mit dem Umherschweifen und der Zweckentfremdung relativ konkrete Techniken, um Kunst und Politik aufzuheben und das revolutionäre Begehren freizusetzen. Der „konterrevolutionären Langeweile“ des Alltagslebens aufgrund der vollendeten „Proletarisierung der Welt“ setzen sie eine strategische „Psychogeographie“ in Verbindung mit einer theoretischen Praxis entgegen, die Impulsgeberin für die Fabrikbesetzungsbewegung in Frankreich im Mai 68 geworden ist. Es referiert das Autorenkollektiv des Buches „Situationistische Revolutionstheorie“.
In ihrem Vortrag zu Marcuse (1. Semesterwoche WiSe 08/09) geht Ingrid Kurz-Scherf (angefragt) der Frage nach, wie dieser trotz seiner Analyse einer „eindimensionalen Gesellschaft“ zu einer positiven Einschätzung des revolutionären Potentials von Intellektuellen und gesellschaftlichen Randgruppen gelangt. Eine besondere Rolle kommt dabei – psychoanalytisch hergeleiteten – „tabuierten Urbildern der Freiheit“ zu, die sich der „Herrschaft des Realitätsprinzips“ tendenziell zu entziehen vermögen.
Gramsci (2. Semesterwoche WiSe 08/09) setzt sich damit auseinander, warum es in Italien nicht zu einer bolschewistischen Revolution kam. Mit den Konzepten der Hegemonie, der Theorie des organischen Intellektuellen und der Verknüpfung von Staat und Zivilgesellschaft entwickelt er ein Analysekonzept, mit dem er die Widerstände gegen ein revolutionäres Potential zu erfassen versucht. Referentin ist Sonja Buckel (angefragt).
Adorno (3. Semesterwoche WiSe 08/09) beurteilt die Möglichkeit einer gesellschaftsverändernden Praxis weitaus skeptischer. In seinem Vortrag zeigt Roger Behrens (angefragt) auf, wo dieser, obwohl er „verdinglichte Begrifflichkeiten“ und eine „verwaltete Welt“ konstatiert, Möglichkeiten der Utopie verortet. Eine zentrale Stellung nehmen hierbei die „bestimmte Negation“ sowie das „Nichtidentische“, welches über das was ist hinausweist, ein.
Falls ihr die Veranstaltungsreihe verlinken möchtet, hier ein Banner:
23.6.
12:00-14:00 Arzheimer, UB Kanada-Raum
14:30-16:30 Geissel, UB Kanada-Raum
17:00-19:00 Arenhövel, UB Kanada-Raum
24.6.
9:00-11:00 Sack, UB Kanada-Raum
11:15-13:15 Birsl, UB Kanada-Raum
13:45-15:45 Marschall, B 510
16:00-18:00 Zimmer, B 510
UB Kanada-Raum: Wilhelm-Röpke-Str. 4, Universitätsbibliothek, 1.Stock Vortragsraum
B 510: Wilhelm-Röpke-Str. 6, B-Turm, Raum 510
Am 30.04. beschloss das Direktorium des Instituts für Politikwissenschaft, dass aufgrund der Prüfungsbelastung der Professor_innen diese in Zukunft erst einmal nur noch je zehn Kandidat_innen für Abschlussprüfungen akzeptieren. Diese sollten sich über Ilias anmelden, die „Restlichen“ werden dann in einer Lotterie am 04.06 unter den Professor_innen aufgeteilt. (mehr…)
Berufungsverfahren W2-Professur für Soziologie mit den Schwerpunkten
Gesellschaftliche Entwicklung und Vergleichende Sozialstrukturanalyse
Donnerstag, den 12. Juni 2008
10.00 Uhr PD Dr. Peter Imbusch
Neopopulismus und politische Machtveränderungen in Lateinamerika
11.30 Uhr PD Dr. Thomas Kern
Kulturelle Performanz und Demokratisierung
14.00 Uhr PD Dr. Aram Ziai
Entwicklungsprojekte als Herrschaftstechnik – Vergleich und Analyse
15.30 Uhr PD Dr. Boike Rehbein
Der Aufstieg des Südens und die globale Sozialstruktur
17.00 Uhr Ph. D. Boris Holzer
Eine „globale“ Moderne? Homogenität und Variation in der Weltgesellschaft
Veranstaltungsort: Kanadaraum, Wilhelm-Röpke-Str. 4
Freitag, den 13. Juni 2008
10.00 Uhr Dr. Anika Oettler
Gewalt und soziale Ordnung in Zentralamerika
11.30 Uhr Prof. Dr. Anita Engels
Weltgesellschaftliche Entwicklung unter Bedingungen der ökologischen Selbstgefährdung: Theoretische und empirische Forschungsperspektiven
14.00 Uhr Dr. Dr. habil. Ulrike Schuerkens
Transnationale Migrationen und soziokulturelle Transformationen
Veranstaltungsort: Sitzungsraum 1 (Senatssitzungssaal), Biegenstr. 12

Dienstag, 17.06.2008, 16.00 Uhr, Marburger Synagoge (Liebigstraße 21a)
Im November 2005 wurde die Marburger Synagoge in der Liebigstraße eingeweiht. Während der Nacht des 9. November 1939 zerstörte ein faschistischer Mob die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Synagoge in der Universitätsstraße. Erst 1989 wurde in Marburg wieder ein Synagogenraum im Pilgrimstein eingeweiht, der jedoch durch den Zuzug von Migrant_innen u.a. aus der ehemaligen UdSSR schnell zu eng für die wachsende Gemeinde wurde. Mit dem Umzug in die Liebigstrasse steht den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Marburg und allen Interessierten nach Jahrzehnten endlich wieder ein Ort für religiöse und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.
Amnon Orbach wird über das neue Haus und Geschichte, Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinde Marburg sprechen.

